Das Fest „Fuca Coste e Cocce Priatorije“

Die „Nacht der Nächte“ fällt zwischen den 01. November (Allerheiligen) und den 02. November (Allerseelen). An den Straßenecken von Orsara di Puglia werden Lagerfeuer aus Ginsterzweigen („fuca coste“) entzündet, die man bis zum kommenden Morgen brennen lässt. In ihren Flammen werden die Seelen im Fegefeuer („cocce priatorije“) gereinigt, bevor sie ihren Weg ins Paradies antreten können. Man erzählt sich, dass in dieser Nacht die Seelen unter die Lebenden zurückkehren und ihre Verwandten in ihren alten Wohnstätten besuchen. Dort wärmen sie sich an den Kohlebecken, die von den alten Frauen des Dorfes vorbereitet werden, und setzen danach ihre Wanderung fort.

Um den Seelen dabei zu helfen, ihre Häuser wiederzufinden, stellen die Familien einen ausgehöhlten und mit Schnitzereien versehenen Kürbis mit einer Kerze im Inneren vor jeden Hauseingang. Es werden auch Workshops organisiert, in denen die Kinder die Technik des Kürbisschnitzens lernen können. Die Ähnlichkeit mit Halloween fällt Ihnen sicher sofort auf, aber lassen Sie sich dadurch nicht auf die falsche Fährte führen. Denken Sie nicht, dass „Fuca coste e cocce priatorije“ eine apulische Variante des keltisch-amerikanischen Festes ist, das erst vor ein paar Jahren nach Italien importiert wurde. Ganz im Gegenteil! Das in den Monti Dauni begangene Fest hat uralte und von Halloween völlig unabhängige Wurzeln. Die offensichtlichen Analogien zweier so weit voneinander entfernt liegender Länder lassen sich nur durch eine anthropologisch-kulturelle Vergleichsstudie erklären.

Langer Rede, kurzer Sinn: verkleiden Sie sich lieber nicht als Hexen und Zauberer, denn man würde Sie schief angucken. Zurück zum Fest: während sich in der Luft eine magische Atmosphäre ausbreitet, werden in den Straßen des Dorfes Tische mit traditionellen Gerichten gedeckt: in der Folie gebackener Käse, Salsiccia-Wurst, Fleisch vom Grill, Zwiebeln, auf dem Grill gegarte Kartoffeln und Kastanien, nur mit gegartem Most gewürzter Kochweizen; alles begleitet von lokal produziertem Wein.

In der Zwischenzeit werden Besucher von Touristenführern durch die Straßen des historischen Zentrums, in die Grotte von San Michele, zu den Geheimnissen der Abtei Maria Annunziata, ins Diözesen-Museum und zur Entdeckung der anderen Schätze des Dorfes begleitet.

Kommentare sind deaktiviert.